Rudi Haymann – lebendige Erinnerung an der Deutschen Schule Santiago

Einen bewegenden und bedeutsamen Tag erlebten die Schüler unserer Schule mit dem Besuch von Rudi Haymann, Holocaustüberlebender und Zeitzeuge der Verheerungen des Nationalsozialismus. Der 104 Jahre alte Haymann erzählte einer Gruppe von jungen Menschen seine unglaubliche Lebensgeschichte, die von Exil, Mut, Resilienz und seinem starken Engagement für den Frieden geprägt ist.

Der 1921 in Berlin geborene Rudi wurde aufgrund seiner jüdischen Wurzeln aus Deutschland ausgewiesen und wanderte 1938 nach Britisch-Palästina aus, wo er an der Gründung des Kibbuz Beit Zerah beteiligt war. Während des Zweiten Weltkriegs trat er der britischen Armee bei und war in Geheimdienstmissionen in Afrika, Griechenland und Italien involviert. Eine seiner denkwürdigsten Erfahrungen war die Teilnahme an der Landung in Anzio, wobei er der erste jüdische Soldat war, der nach der Befreiung der Stadt die Große Synagoge in Rom erreichte.

Im Jahr 1948 kam es zur Wiedervereinigung mit seiner Familie in Chile. Seitdem widmet er sich der Mission, seine Geschichte mit den neuen Generationen zu teilen, um so die Erinnerung aufrechtzuerhalten und grundlegende Werte wie Demokratie und Toleranz zu fördern.

Bei dem Besuch ließ er die wichtigsten Meilensteine seines Lebens Revue passieren und beantwortete die Fragen der Schüler, die seine Geschichte aufmerksam und respektvoll verfolgten.

„Es hat mich bewegt, dass ich nach so vielen Jahren immer noch mit jungen Menschen sprechen und eine Verbindung zu ihnen herstellen kann. Überrascht hat mich, dass sie genau nachfragen und sich für Geschichte interessieren, denn das ist nicht immer der Fall“, erzählt Rudi Haymann. Abschließend appellierte er an sie: „Hütet den Frieden und die Demokratie, denn Demokratie ist der erste Schritt zum Frieden.“