Am Dienstag, dem 27. Mai, fand erneut zum wiederholten Mal der Tag des Zusammenlebens und der Toleranz statt – eine Initiative, die 2022 als Pilotprojekt begann und sich heute als bereichernde Erfahrung des Dialogs, des Austauschs und des gegenseitigen Respekts etabliert hat.
Im vierten Jahr dieser Veranstaltung versammelten sich rund 200 Schülerinnen und Schüler der 10. Klassen des Instituto Hebreo und der Deutschen Schule Santiago in der Comunidad NBI. Das Treffen unterstrich einmal mehr den Wert von Begegnungen, die Empathie, Verständnis und den aktiven Aufbau einer Erinnerungskultur fördern.
Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen Gesprächsrunden, die von Moderatorinnen und Moderatoren der Gemeinschaft begleitet wurden. Dabei tauschten sich die Schülerinnen und Schüler über historische Ereignisse aus, die mit dem kollektiven Gedächtnis der jüdisch-deutschen Gemeinschaft verbunden sind, erzählten Familiengeschichten und reflektierten über ihre Identität, Herkunft und die verbindenden Elemente zwischen ihnen. Zugleich entstanden Räume des persönlichen Kennenlernens, in denen sie Gemeinsamkeiten entdecken und Unterschiede zwischen ihren Schulen, Kulturen und Freizeitinteressen wertschätzen konnten.
Ein besonderer Höhepunkt war der Vortrag von Rudi Haymann, einem 103-jährigen Holocaust-Überlebenden, der kürzlich vom deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde – in Anerkennung seines unermüdlichen Einsatzes für Erinnerung und Menschenrechte. Rudi Haymann wurde 1921 in Berlin in eine jüdisch-deutsche Familie geboren und 1938 im Zuge der nationalsozialistischen Verfolgung aus Deutschland vertrieben. Sein bewegender Bericht war nicht nur ein eindrucksvolles Zeitzeugnis der Schrecken des NS-Regimes, sondern auch eine tiefgehende Lektion über menschliche Widerstandskraft und die Dringlichkeit, das historische Gedächtnis wachzuhalten. Mit großer Klarheit und emotionaler Tiefe rief er die jungen Menschen dazu auf, das Land, in dem sie leben – das seit Jahrzehnten in Frieden besteht – wertzuschätzen und sich für dessen Erhalt einzusetzen, indem sie die Demokratie und ihre grundlegenden Werte schützen.
Ebenso nahm eine Reihe prominenter Gäste an der Veranstaltung teil, darunter die Botschafterin der Bundesrepublik Deutschland in Chile, Frau Susanne Fries-Gaier, die die Bedeutung des Zuhörens, des Dialogs und der Stärkung von Verbindungen zwischen Gemeinschaften betonte. Weitere Teilnehmende waren die Kulturattachée der deutschen Botschaft, Frau Larissa Grütz, Vertreterinnen und Vertreter der israelischen Botschaft sowie Claudio Engel, Gründer des Jüdisch-Deutschen Museums und Initiator dieser Begegnung. Er hob den Wert historischer Zeugnisse als aktive Form der Erinnerungskultur hervor.
Unser Dank gilt allen Personen und Institutionen, die diese bedeutungsvolle Veranstaltung möglich gemacht haben, die junge Menschen aus der deutsch-chilenischen und der jüdisch-chilenischen Gemeinschaft in einem Rahmen gegenseitigen Respekts durch persönliche Begegnungen und offene Gespräche miteinander verbindet.
Über die geknüpften Freundschaften hinaus nahmen die Schülerinnen und Schüler eine klare Botschaft mit: Die Geschichten unserer Familien zu kennen und weiterzuerzählen ist ein essenzieller Akt, um das kollektive Gedächtnis lebendig zu halten und eine Zukunft auf der Grundlage von Toleranz und gegenseitigem Verständnis zwischen den Völkern zu gestalten.




































